Bauen zwischen Stadt und Land

Das Schweizer Baugewerbe steht an einem Wendepunkt. Ländlicher Boden, urbane Verdichtung, Fachkräftemangel und komplexe Bauverfahren. Doris Kälin und Gian Nauli, zwei profilierte Stimmen aus den Kantonen Schwyz und Thurgau, geben Einblicke in die aktuelle Lage, zukünftige Chancen und den strukturellen Wandel auf Baustellen von heute und morgen.
Während auf dem Land noch Platz zur Verfügung steht und Bauprozesse oftmals unkomplizierter verlaufen, ist die urbane Realität von Dichtevorgaben, Vorschriften und langwierigen Bewilligungsverfahren geprägt. Die Kommunikationswege sind auf dem Land kürzer, die Prozesse direkter. In den Städten hingegen erfordern komplexe Projekte wie «The Circle» beim Flughafen Zürich ausgeklügelte Koordination und Geduld.
Fachkräftemangel kennt keine Grenzen
Egal ob ländlich oder städtisch, der Kampf um qualifizierte Lehrlinge ist in der gesamten Schweiz spürbar. Bemerkenswert ist, dass Jugendliche aus ländlichen Regionen häufig handwerklich versierter sind . Nicht zuletzt, weil sie früh mit praktischer Arbeit in Kontakt kommen. Dennoch bleibt die Rekrutierung eine Herausforderung, gerade im urbanen Raum, wo akademische oder kaufmännische Laufbahnen dominieren.
Regionale Verwurzelung als Erfolgsfaktor
Ob traditionelle Familienbetriebe in Schwyz oder lokal verankerte Bauunternehmen im Thurgau, das Bauhauptgewerbe bleibt in beiden Kantonen ein starker Pfeiler der regionalen Wirtschaft. Besonders auf dem Land sind Baumeister nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich aktiv, als Vereinsmitglieder, OK-Präsidenten und Förderer des lokalen Lebens.
Einsprachen bremsen überall Fortschritt
Ländliche Idylle schützt nicht vor rechtlichen Hürden: Auch ausserhalb der Städte werden Bauprojekte regelmässig durch Einsprachen verzögert. Der Ruf nach einem klareren, schnelleren und rechtssicheren Verfahren wird lauter. Aus Sicht der Praxis längst überfällig.
Unterschiedliche Ausgangslagen bei der Auftragslage
Während der Kanton Schwyz aktuell ein solides Auftragsvolumen mit wachsender Bautätigkeit und grossen Projekten verzeichnet, ist die Situation im Thurgau angespannt. Dort werden nicht zwingende Investitionen aus Spargründen vertagt, mit direkten Auswirkungen auf die lokalen Bauunternehmen.
Nachhaltigkeit und Qualität im Fokus
Die Anforderungen an Neubauten verändern sich rasant. Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und klimagerechtes Bauen dominieren die Projektanforderungen. Gleichzeitig steigt der Zeitdruck auf den Baustellen, während die rechtliche Komplexität zunimmt. Der Wunsch der Branche, mehr Qualität statt Preisdumping und eine Rückbesinnung auf langfristige, nachhaltige Werte.